Gemeinsam Schritt für Schritt

Die wichtigsten Erkenntnisse vom Abschlusstreffen „Zukunft in Vielfalt“

Gruppenbild Kulturinstitutionen Oberhausen

Bereits 2010 hat der Kulturausschuss der Stadt Oberhausen ein interkulturelles Handlungskonzept für die Kultureinrichtungen der Stadt beschlossen, um dort kulturelle Vielfalt zu verankern. Im Pilotprojekt „Zukunft in Vielfalt" begleitete die Zukunftsakademie NRW (ZAK NRW) die Kultureinrichtungen in Oberhausen im Laufe des Jahres 2018 bei der Erstellung individueller Handlungskonzepte für die kulturelle Vielfalt in der Stadt.

Die beteiligten Institutionen:

Alle konnten in moderierten Werkstätten ihren Bedarf konkretisieren, vorhandene Strategien und Fragen der Umsetzung diskutieren. Am 13.12.2018 war ein vorläufiger Meilenstein der gemeinsamen Reise in die Zukunft erreicht. Alle beteiligten Kulturinstitutionen der Stadt haben sich mit dem Kulturdezernenten und weiteren Akteuren aus städtischen Kulturinstitutionen getroffen, um die intensive Phase der Workshops und Prozessbegleitung seitens der Zukunftsakademie NRW abzuschließen und einen ersten Zwischenstand zu präsentieren.

Schulterblick bei den Institutionen

Workshop Oberhausen
Auch wenn es unterschiedliche Geschwindigkeiten in den einzelnen Prozessen gab und gibt, so ist in den vergangenen Monaten das Thema Diversität bei allen angekommen. Die wichtigste Erkenntnis dabei ist, dass für ein funktionierendes interkulturelles Handlungskonzept ein gemeinsames Verständnis für die Sache verabredet werden muss. Auch essenziell: Das Vertrauen der Akteur*innen untereinander. „Das und die positive Leidenschaft für das Thema waren entscheidende Motoren für den herausfordernden Prozess“, so Inez Boogaarts, Geschäftsführerin der ZAK NRW.

Stimmen aus den Institutionen:

Diana Bengel, Stadtbibliothek Oberhausen: „Bei uns existiert schon ein Handlungsrahmen, jetzt müssen wir daraus nur eine gezielte Vision entwickeln.“

Magnus Dellwig, Stadtarchiv Oberhausen: „Das Stadtarchiv hat sich stark verändert in der letzten Zeit und da konnte man anknüpfen und viele Dinge auf den Prüfstand stellen. Der Diversitätsprozess hat die Chance eröffnet, eine andere Perspektive einzunehmen. Jetzt gilt es, die Prioritäten zu reflektieren und sich zu fragen, ob man alles bedacht hat.“

Meike Sasse, Theater Oberhausen: „Ohne die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht es nicht." Und: Als ein offenes Haus, das Theater nicht als Selbstzweck versteht, sondern sich engagiert den Bewohner*innen der Stadt zuwendet, müssen wir in der Lage sein, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.“

Alle in der Runde waren sich einig, dass diese internen Prozesse zu einer inneren Stärkung beitragen und dass die Handlungskonzepte für die Vielfalt darauf aufbauen sollten. Die große Frage: Wie bekommt man das gemeinsam Erarbeitete nun in die Nachhaltigkeit?

Impulse für eine nachhaltige Öffnung zur Vielfalt

KOMMUNIKATION IST DAS A UND O

  • für das Publikum: Man kann noch so gute Angebote machen, wenn die Rezipient*innen nicht davon erfahren, dann nützt es niemandem. Eine Stellschraube könnten Kulturvermittler*innen sein, die zur Multiplikation der Angebote mit ins Boot geholt werden sollten.

  • für die Institutionen: Ein zentraler Punkt ist der Wissenstransfer in die Runde der Kulturinstitutionen. Die ZAK NRW will in Oberhausen gerne als Knotenpunkt fungieren.

  • für die Kulturpolitik: Kulturdezernent Tsalastras brachte das Stichwort „Agenda-Setting“ ein. Es schade nicht, die erarbeiteten Fortschritte der Politik immer wieder vorzusetzen. Denn der Prozess ist nicht statisch und die Themen verändern sich ständig.

PERSPEKTIVWECHSEL GEHT NUR MIT DEM PUBLIKUM

Für die zentrale Frage des gesamten Prozesses - „Wie können wir diejenigen erreichen, die noch nicht kommen?" wurden verschiedene Lösungsansätze gesammelt:

  • Beratungsarbeit als Weiche in internationale Communities

  • Bereitschaft, das eigene Programm vom Publikum und von Vertreter*innen diverser Gruppen kuratieren zu lassen

  • mehrsprachige  Informationsangebote

  • stärkerer Fokus auf die Besucher- und Nutzerperspektive, ein größerer Ehrgeiz, Barrieren aufzuspüren

Mehrfach wurde auch die Digitalisierung als Chance aufgefasst, mit den Themen der Vielfalt in die Fläche zu gehen und mehr Menschen direkt zu erreichen.

  • Meike Sasse vom Theater Oberhausen verwies auf die Zusammenarbeit mit diversen Communities. „Es ist wichtig, zu wissen, welche Medienkanäle man hierfür nutzen kann und muss.“

  • Christine Sutoris von den Internationalen Kurzfilmtagen berichtete: „Wir nutzen neben dem Newsletter auch WhatsApp-Gruppen und haben damit gute Erfahrungen gemacht.“ Das interessierte alle Beteiligten und man verständigte sich darauf, dass es sinnvoll sei, solche und andere Erfahrungen in der Ansprache des Publikums zu teilen.

  • „Wir möchten die Partizipation auf dem Weg der digitalen Teilhabe gestalten“, so Diana Bengel von der Stadtbibliothek. Ihr schwebe eine Art Labor vor, in welchem man verschiedene Formate ausprobieren könne.

KONKRETISIERUNG IST DAS ZAUBERWORT

Die Konzeptentwürfe sind noch nicht ausdiskutiert, da drängt schon die Frage der Umsetzung. Wie kommt man vom Denken zum Machen? Wie findet man die richtigen Prioritäten? Auch wenn aus dem ersten Prozess Ideen für den Handlungsrahmen erwachsen sind, oft steht das leidige Ressourcenthema im Weg. Dazu wurden verschiedene Lösungsideen gesammelt:

  • Reduktion: „Ein möglicher Weg kann sein, auf etwas zu verzichten zum Beispiel, statt 20 neue Produktionen nur noch 18 zu machen, oder statt 6 nur 5 Ausstellungen zu machen“. Inez Boogaarts schlägt vor, dafür die jeweiligen Anforderungsprofile auch vonseiten der Stadt neu zu durchdenken.  

  • Neue Formate: Welche Aspekte von Diversität sind wichtig? Ein gemeinsamer Austausch hilft bei der Entwicklung neuer Konzepte und Veranstaltungsformate. Die ZAK NRW ist als „critical friend“ immer dafür ansprechbar. 

  • Partnerschaften: Überhaupt sind Kooperationen ein guter Weg, sich Unterstützung zu holen, sei es bei Medienpartnerschaften für die Erhöhung der Sichtbarkeit oder mit sozialräumlichen Partnern, die Hilfe beim Ausbau der eigenen Reichweite liefern können. 

  • Interne Prozesse: Gleichzeitig kann man in die Wege leiten, dass die Teams in den Kulturinstitutionen diverser werden. Hier gilt es, neue Standards zum Beispiel für Bewerbungen zu erstellen. Auch hier ist es hilfreich, die Erfahrungen untereinander weiterzugeben. 

Vom Denkraum zum Ermöglichungsraum

Auch wenn Diversität ein wichtiger Teil des Gesamtauftrags einer Kultureinrichtung ist – die wesentlichste Erkenntnis aus diesem Abschlusstreffen war, dass man noch einen weiten Weg zu gehen hat, bis sich die Vielfalt der Stadtgesellschaft zufriedenstellend in den Kulturinstitutionen abbildet. Und dass das Thema Diversität ungeheuer komplex ist, weil so viele unterschiedliche inhaltliche Fäden aufgenommen werden müssen. 

Der Prozess in Oberhausen geht jedenfalls weiter. Als nächstes werden die gemachten Erfahrungen evaluiert und für den zukünftigen Austausch zur Verfügung gestellt. Weitere zentrale Treffen sollen regelmäßig stattfinden und über drängende Themen und aktuelle Fragen gestaltet werden. Der Blick wird dabei auch über den Tellerrand schweifen und andere Beispielprojekte in den Blick nehmen.

Text: Anke von Heyl, Spezialistin für Besucherorientierung, partizipative Methoden und Social Media in der Kultur.

Projekt
Zukunft in Vielfalt: Modellprojekt der Stadt Oberhausen
Datum
13. Dezember 2018
Partner

Stadt Oberhausen

 

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