Alle mit ins Boot nehmen

Interview mit Diana Bengel, Stadtbibliothek Oberhausen

Piratenschiff Stadtbibliothek Oberhausen
Um Vielfalt und Offenheit in den städtischen Kultureinrichtungen zu verankern, beschloss der Kulturausschuss der Stadt Oberhausen 2010 ein interkulturelles Handlungskonzept. Im Pilotprojekt „Zukunft in Vielfalt" begleitete die Zukunftsakademie NRW die Kultureinrichtungen in Oberhausen im Laufe des Jahres 2018 bei der Erstellung individueller Handlungskonzepte: für die Verankerung kultureller Vielfalt in den Institutionen. Über die Erfahrungen bei diesem Prozess haben wir mit Diana Bengel von der Stadtbibliothek Oberhausen gesprochen.

„Wenn wir alle Menschlichkeit wollen, müssen wir menschliche Verhältnisse schaffen.“

Fast scheint es, als könne dieses Zitat von Bertolt Brecht die Haltung beschreiben, mit der die Stadtbibliothek in die Zukunft segelt. Diana Bengel, seit dem Sommer 2018 die neue Leitung dort, sieht den gesellschaftlichen Wandel als zentralen Punkt an. „Wir sind nicht mehr nur Ausleihstation, sondern müssen uns als Dritter Ort verstehen“, sagt sie. Wichtig ist ihr dabei, dass man ins Gespräch mit den Nutzer*innen kommt und offen ist für deren Bedürfnisse. Dabei helfen oft auch Bilder. Was könnte besser sein als das große Seeräuber-Schiff in der Stadtteilbibliothek Osterfeld. Wenn man so will, könnte es zur Metapher für die Ausrichtung auch im Diversitätsprozess werden.

Die Stadtbibliothek Oberhausen hat mit ihren drei Stadtteilbibliotheken schon lange eine gezielte Zielgruppenausrichtung. In Sterkrade nimmt man mit der Bibliothek der Generationen besonderen Fokus auf Senior*innen und in Osterfeld richtet sich das Programm der Bibliothek der Kulturen auf die diverse Stadtgesellschaft aus. Auch für das Bert-Brecht-Haus hat sie eine besondere Ausrichtung im Kopf. Hier möchte Diana Bengel allen Menschen eine Bühne bieten. Was für eine schöne Referenz an den namensgebenden Dichter!

Sprache als Zugang

Es gibt viel zu tun in den kommenden Jahren. Auch ein Neubau für einen Osterfelder Multifunktionskomplex ist in Planung. Hier soll das Interkulturelle gleich im Bau mitgedacht werden. Das ist eine große Chance, denn nicht zuletzt sind die Räume, die man zur Verfügung stellen kann, ein wichtiges Kriterium für den Erfolg des interkulturellen Engagements.

Auf die Bitte, eine Stellschraube zu identifizieren, an der sich die Hinwendung zu einem diversitätsorientierten Handlungskonzept festzurren lässt, antwortet Bengel, ohne zu zögern: „Die Sprache! Hier kann vor allem die Stadtbibliothek eine wichtige Rolle spielen – von den Möglichkeiten zum Spracherwerb bis zur Stärkung der Herkunftssprache.“ In den Kinderbibliotheken finden regelmäßig mehrsprachige Vorleseaktionen statt.

Nachdem sie vor zehn Jahren bereits ein spezielles Konzept für die Leseförderung entwickelt hat, konnte sie früh Erfahrungen mit mehrsprachigen Lesepatinnen sammeln. Diese bringt sie mit in die Arbeit an „Zukunft in Vielfalt“.

Modellprojekt „Zukunft in Vielfalt": ein profitabler Prozess

Diana Bengel ist gleich nach Ihrem Amtsantritt in den Diversitätsprozess der Stadt Oberhausen eingestiegen. Für sie war dies zwar eine große Herausforderung, aber sie habe von den Workshops und dem Austausch vor allem im Hinblick auf die Entwicklung eines eigenen Leitbildes für die Bibliothek profitiert. Es habe gutgetan, meint Bengel, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und sie habe vor allem von den Impulsen zu Cultural Leadership profitiert. „Aus meiner Sicht ist entscheidend, dass man aus dem gemeinsamen Diversitätsprozess einen klaren Handlungsrahmen festhalten kann, um die Nachhaltigkeit der angedachten Konzepte zu gewährleisten.“ Viel Hoffnung setze sie auch auf die Vernetzungsmöglichkeit mit den anderen Kulturinstitutionen, um die Sichtbarkeit der kulturellen Angebote in der Stadt zu erhöhen.

Partizipation gestalten

Das gemeinsame Arbeiten mit den Kolleg*innen habe zu der Erkenntnis geführt, dass man eine Vision für die Willkommenskultur im eigenen Hause entwickeln müsse. Für Bengel ist klar: „Zukünftig wollen wir wieder ehrenamtliche Vorlesepaten ausbilden und Qualifizierungsmaßnahmen für pädagogische Fachkräfte anbieten.“ Es geht ihr auch um die Personalentwicklung, besonders da die Mitarbeiter*innen für die Aufgaben der Bibliothek immer an neue Herausforderungen anpassen müssten. „Ganz klar, das Berufsbild der Bibliothekar*in hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Für mich hat Priorität, alle auf dem Weg in die Zukunft mitzunehmen“, macht die Leiterin der Stadtbibliothek deutlich.

Für ihre eigene Institution möchte Bengel vor allem auch die digitale Teilhabe ausbauen, denn sie ist überzeugt, dass hier großes Potenzial für die Erreichbarkeit zukünftiger Nutzer*innengruppen steckt. Auch die schulbibliothekarische Arbeitsstelle sei so ein Knotenpunkt, an dem viel zusammenlaufen könne.

Die kommenden Aufgaben hat Diana Bengel unter das Motto „Partizipation gestalten“ gesetzt und sie freut sich, dies gemeinsam mit den anderen Akteur*innen der Kultur in Oberhausen zu tun.

 Text: Anke von Heyl, Spezialistin für Besucherorientierung, partizipative Methoden und Social Media in der Kultur.

Projekt
Zukunft in Vielfalt: Modellprojekt der Stadt Oberhausen
Datum
16. Januar 2019
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