Nachbericht: Diversify – Vielfalt.Stadt.Kultur

Podiumsdiskussion zur Kulturellen Teilhabe in Kultureinrichtungen

ZAK_Diversify_Gruppen
Wie kann eine gemeinsame Zukunft in Vielfalt aussehen – im Programm und im Selbstverständnis der Kulturinstitutionen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion «Diversify – Vielfalt.Stadt.Kultur» am 05. Juni 2018 im Jungen Schauspiel Düsseldorf.

Rund dreißig Vertreter*innen aus Theatern, Konzerthäusern, Museen, Verbänden und Akteur*innen der Kulturellen Bildung folgten der Einladung der Zukunftsakademie NRW und des Jungen Schauspiel Düsseldorf, sich über Positionen, Perspektiven und Methoden der Diversitätsorientierung auszutauschen. Moderiert wurde die Diskussion von Inga Sponheuer.

In der ersten Ausgabe von «Diversify» lag der Schwerpunkt inhaltlich und in der Zusammensetzung der Podiumsgäste auf der Öffnung im Theater und Schauspiel.

„It's gonna be hard, but it's gonna be fun“ - Visionen der Podiumsgäste

Diversify_Hajo_Doorn
 Der Rotterdamer Stadtdramaturg Hajo Doorn machte deutlich, dass das Thema Diversität eng mit dem heutigen und zukünftigen Selbstverständnis öffentlich geförderter Kultureinrichtungen zusammenhängt. Auf das Nachwuchsproblem im Publikum zu reagieren ist eine besondere Herausforderung, wenn es an das Herzstück des Theaters, die Programmplanung geht – aber, so Doorn, notwendig für Veränderung und Innovation: „Wenn man etwas anders machen will, muss die erste Frage sein: Was machen wir ab jetzt nicht mehr?“

Diversify_Zeynep_Topal
 Die Schauspielerin und Dramaturgin am theaterkohlenpott Zeynep Topal berichtete von ihrem Werdegang als türkischstämmige Darstellerin sowie von den Karrierevorteilen und Beschränkungen, die sich aus einer Typbesetzung ergeben. Ihr Wunsch: „Eine Besetzung soll kein Statement sein, sondern eine Besetzung nach künstlerischer Entscheidung.“ Bis die Strukturen in der Kultur allerdings so weit sind, so die übereinstimmende Meinung des Podiums, bedarf es Förderungsmechanismen.

Diversify_Bassam_Ghazi
 Bassam Ghazi, Theatermacher am Schauspiel Köln und Diversity-Trainer, brachte das bekannte Argument der öffentlichen Verpflichtung durch öffentliche Gelder ein: Idealerweise kommt Theater eben allen zugute. Seiner Auffassung nach liegt der Schlüssel zu mehr Vielfalt vor allem im Haus selbst und in einer umfassenden Bereitschaft zur Strukturveränderung. Dazu gehört auch und gilt vor allem für die Stakeholder: „Man muss Unsicherheiten aushalten können.“

Diversify_Kirstin_Hess
 Kirstin Hess vom Jungen Schauspiel Düsseldorf berichtete vom Projekt Café Eden, welches einen Begegnungsort zwischen Stadtgesellschaft und Theater schafft. Wie sieht es aber mit Begegnungen zwischen Bühne und Zuschauerraum aus? Die Dramaturgin und Theaterpädagogin stellt fest, dass neue Inhalte und Produktionsformen auch neuen Vermittlungsbedarf schaffen. Ihr optimistisches Statement „Die Bühne ist mächtiger als man denkt“ verknüpfte sie mit der Aufforderung, diese Wirkungsmacht für eine echte Repräsentation der vielfältigen Gesellschaft auf der Bühne zu nutzen.

Die Themen Audience Development, Personalbesetzung und Programmgestaltung standen im Vordergrund des anschließenden Austauschs zwischen Podiumsgästen und Teilnehmer*innen.

Diversify! – praktische Anregungen aus der Veranstaltung

➢    kritische Fragen stellen: sind wir bereit, unsere künstlerischen Produkte zu ändern?

➢    die ganze Institution muss sich langfristig mit dem Öffnungsprozess identifizieren, nicht nur kurzfristige Aktionen und Projekte anregen, gemeinsame Vision entwickeln

➢    Dinge möglich machen – und dabei Spaß haben!

➢    die emotionale Beziehung des Publikums zur Kultur stärken

➢    die Notwendigkeit von Diversität mehr auf emotionaler Ebene vermitteln

➢    die gesamte Stadtgesellschaft einladen, Öffnung wörtlich nehmen: Begegnungsräume auch außerhalb des regulären Kulturbetriebs schaffen

➢    Diversität in den drei Ps (Publikum, Programm, Personal) immer mitdenken, aber nicht darauf beschränken. Grundlegend ist das Selbstverständnis der Einrichtung, und auch andere Bereiche wie die Außenkommunikation sind wichtig (z. B. Verständlichkeit, Passgenauigkeit für Zielgruppe)

➢    Publikum/Bürger*innen mit ins Boot holen und ernst nehmen (z. B. durch Möglichkeiten zum Austausch, Fragebögen, Gelegenheiten das Programm mitzugestalten)

➢    Unsicherheiten aushalten, Mut zur Veränderung haben

➢    in den Austausch mit anderen Stellen wie Antidiskriminierungsstellen oder Gleichstellungsbeauftragten gehen

➢    nicht nur in Nationalitäten denken, die Gesellschaft ist viel diverser als das (z. B. Generation, Bildungshintergrund, soziale Diskriminierung ...)

 

Datum
5. Juni 2018
Ort

Junges Schauspiel, Münsterstraße 446, 40470 Düsseldorf

Kooperationspartner

Junges Schauspiel in Düsseldorf

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