Die Powerflower umtopfen

Kartenset zu Diversität bei ZAK NRW vorgestellt

PowerFlower
Professorin Carmen Mörsch von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK), stellte in einem Workshop bei uns in der ZAK NRW das erste von vier geplanten Material-Sets zum Thema Critical Diversity Literacy vor. Professorin Mörsch ist ehemalige Senior Fellow der Stiftung Mercator Deutschland und lehrt heute am Institute for Art Education der ZHDK.
Dieses erste Kartenset richtet sich vordringlich an Personen an der Schnittstelle von Kunst und Bildung. Ihnen sollen die im Kartenset präsentierten Ideen, Übungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse eine diskriminierungskritische Perspektive auf das Feld der Kulturvermittlung und Kulturellen Bildung und ihre eigene Rolle ermöglichen.
«Wir haben gemerkt, dass mit Sprache unglaublich viel Macht ausgeübt wird», beschreibt eine Teilnehmerin des Workshops die Arbeit mit den Karten. Ein anderer Teilnehmer meint, die Karten würden dabei helfen «[…] zu bemerken, Diskriminierung ist nicht nur meine Geschichte, sondern betrifft auch andere.»


Führungskräfte brauchen Druck von unten
Inwieweit Veränderungen in Richtung größerer Vielfalt und eine diskriminierungskritische Praxis innerhalb von Institutionen möglich sind, wurde beim Workshop intensiv debattiert. Carmen Mörsch meint, dass Führungskräfte in Institutionen nicht allein mit Fakten zu der Notwendigkeit vielfältiger Zugänge zu überzeugen sind und stützt sich dabei auf die wissenschaftliche Untersuchung «Art.School.Differences». Sie glaubt, dass erst durch Druck von allen Seiten, durch gute Beispiele für diskriminierungskritische Praxis und durch ein verbreitetes Wissen über diskriminierende Verhältnisse, die Führungsebene es irgendwann nicht mehr vermeiden könne, sich mit dem Thema Diversität auseinanderzusetzen.


Die Power Flower
Im Workshop wurde auch die sogenannte «Power Flower» diskutiert. Die Idee dazu stammt vom Doris Marshall Institute for Education and Action in Toronto. Dort entwickelte man 1991 eine graphische Möglichkeit, die eigene Position in der Gesellschaft (eher privilegiert oder weniger privilegiert) anhand bestimmter Kriterien wie Hautfarbe, Religion, Familie, Muttersprache, Geschlecht, Herkunftsland, Bildung usw. zu reflektieren und zu visualisieren.
Die Power Flower wird auch im deutschsprachigen Raum genutzt. Im Workshop wurde diskutiert, wie die 1991 erstellten «Diskrimierungs-Dimensionen» heute noch als Grundlage für die Überprüfung eigener Privilegien dienen. In einer «Blanko Power Flower» konnten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen dann eine eigene, aktuelle Version erstellen.


Open Source Forschung
Eine Besonderheit des Kartensets von Professorin Mörsch ist der «Open Source» Ansatz: Carmen Mörsch wünscht sich, dass die Karten verändert, weitergegeben und überarbeitet werden. Ihr ist die größtmögliche Verbreitung des Sets wichtig und sie freut sich über Hinweise und Ergänzungen – diese gern per E-Mail an: carmen.moersch@zhdk.ch. Wir stellen Ihnen deshalb HIER das erste Kartenset zum Herunterladen bereit.
Carmen Mörsch wird noch drei weitere Kartensets entwickeln, diese zu den Diversitäts-Dimensionen Strukturen, Kanon und Methoden. «Strukturen» befasst sich u.a. mit den nötigen strukturellen Veränderungen und Öffnungsprozessen von Kulturinstitutionen. Das ist gleichzeitig eines der wichtigsten Themen der ZAK. Auch deshalb werden wir die Workshops zu den kommenden Lernkartensets gern ausrichten. Über die Termine halten wir Sie auf dem Laufenden.
Weiterführende TED Vorträge zum Thema finden Sie HIER und HIER.

Datum
23. Januar 2018
Ort

Zukunftsakademie NRW

Teilen

Inhalte werden geladen...